• julianbild

    Mehr Mut bei der Stadtgestaltung

    Julian Lube ist mit 24 als Ortsbeirat in Wiesbaden Mitte wiedergewählt worden. Mit uns spricht er über den Alltag als Ortsbeirat und über mehr Mut in der städtebaulichen Entwicklung von Wiesbaden:

    Du bist als Spitzenkandidat der Freien Demokraten für den Ortsverband Mitte wieder Teil des dortigen Ortsbeirates. Da du dort schon in der letzten Legislaturperiode vertreten warst, bringst du bereits einiges an Erfahrung in den Job mit. Was macht für dich die Arbeit im Ortsbeirat besonders spannend?

    Julian: Arbeit im Ortsbeirat bedeutet häufig auch Mikromanagement. Die Stadtpolitik muss die großen Linien im Kopf behalten, wir im Ortsbeirat dagegen diskutieren um die konkrete Umsetzung. Da kann es auch gerne mal um den Standort einer Parkbank gehen. Das klingt nicht sonderlich spannend, ist aber sehr wichtig: Denn die 15 Mitglieder des Ortsbeirats leben nunmal im Stadtteil, haben Kontakt zu den Anwohnern und das nötige Know-How, um auch über Details zu diskutieren. Das kann dann schon sehr viel Spaß machen.

    Was in Wiesbaden Mitte passiert, betrifft viel mehr Menschen als nur die dortigen Bewohner. Was sind Themen die im Ortsbeirat Mitte in Zukunft auf der Agenda stehen werden?

    Julian: Den Schwerpunkt unserer Arbeit werden wir auf drei Punkte legen:

    Wir müssen im Verkehrsbereich neu denken: Immer mehr Menschen ziehen in die Innenstadt, auch in den nächsten Jahren werden in der City weitere Wohnungen entstehen. Die neuen Bewohner wollen natürlich auch von A nach B kommen. Zudem floriert die Wiesbadener Fußgängerzone. Dabei bricht schon jetzt häufig der Verkehr zusammen und insbesondere abends kann das Parkplatzsuchen auch gerne mal eine halbe bis dreiviertel Stunde brauchen. Wir müssen uns also überlegen, wie wir mehr Parkplätze in der Innenstadt schaffen können und gleichzeitig den Umstieg auf andere Verkehrsmittel attraktiver machen können. Einen Radweg auf dem Mittelstreifen vom Ring, der Schwalbacher Straße und der Rheinstraße ist da beispielsweise ein interessantes Konzept. Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen bleibt dagegen ein Vorschlag, der reine Symbolpolitik ist und nichts bringt.

    Wir müssen unsere Plätze besser nutzen! Kaum eine Innenstadt in Deutschland ist so dicht besiedelt wie die Wiesbadener. Umso wichtiger ist es, belebte Plätze und Straßen zu schaffen, auf denen man sich gerne aufhält. Hier müssen eine Neugestaltung des Luisenplatzes, eine Verschönerung der Adolfsallee und der zweite Schritt bei der Neugestaltung des Kranzplatzes umgesetzt werden. Das i-Tüpfelchen wäre dann, wenn wir den Bereich des Römertors und der Heidenmauer noch mit Leben füllen könnten.

    Wiesbaden darf kein Freilichtmuseum sein. Ich will weiterhin dafür kämpfen, dass Feste und Aussengastronomie in der Innenstadt möglich sind.

    Zwischen Kirchgasse und Schwalbacher Straße hat Wiesbaden eine riesige Problemzone. Die City-Passage steht leer, die Hochstättenstraße ist immer noch verwaist und das Walhalla verfällt weiter. Dabei gehört der Stadt ein beträchtlicher Teil der dortigen Grundstücke. Entweder die Stadt packt diesen Problembereich jetzt an und legt Konzepte vor, die auch schnell umgesetzt werden können oder sie muss einen Wettbewerb ausschreiben, in dem die beste Idee gewinnt und von einem Investor umgesetzt wird.

    Ansonsten gilt: Die Innenstadt muss lebendig bleiben. Wilhelmstraßenfest, Taunusstraßenfest, Kranzplatzfest, Weinfest: All diese Veranstaltungen finden im Ortsbezirk Mitte statt. Dazu kommen Biergärten etc. Ich will weiterhin dafür kämpfen, dass Feste und Außengastronomie in der Innenstadt möglich sind. Lärmschutz für die Anwohner ja, es muss aber auch jedem klar sein, dass es in der Innenstadt nie so ruhig sein wird wie beispielsweise in Naurod.

    Insgesamt wünsche ich mir mehr Mut von der Stadt. Wiesbaden darf kein Freilichtmuseum sein, weder von der Architektur her noch von den Grünflächen. Wenn die Sauberkeit gewahrt bleibt, wäre es hilfreich, wenn die Stadtpolizei z.B. auf dem Warmen Damm auch mal eine Auge zudrückt und junge Leute dort auch feiern und entspannen lässt.

    Wenn du dir ein Projekt aussuchen könntet, was in der nächsten Legislaturperiode unbedingt umgesetzt werden soll – unabhängig davon ob in der Stadt oder in den Ortsbezirken – welches wäre das?

    Julian: Die durchgängige Rheinpromenade. Wiesbaden macht viel zu wenig aus seiner Lage am Rhein. Natürlich liegt in anderen Städten – anders als in Wiesbaden – gleich die gesamte Innenstadt am Fluss. Dennoch sollte es doch möglich sein, das Rheinufer weiter aufzuwerten, um daraus ein ganzjähriges Naherholungsgebiet zu machen.

Comments are closed.