• nopegida

    Bist du Premium-Ausländer oder kann man dich, wenn’s geht, abschieben?

    Eigentlich wollte ich nicht über PEGIDA und die Zusammenhänge schreiben, weil wie ich glaube, mittlerweile jeder verstanden hat, woher ich komme. Schlussendlich verleitete mich aber eine Begegnung heute morgen, bevor ich wieder in die Bibliothek trottete, schließlich doch.

    Zur Einführung für alle, die bisher im Winterschlaf lagen: PEGIDA ist ein Bündnis unter dessen Banner viele Menschen in verschiedenen Städten, jeden Montag gegen die mutmaßliche „Islamisierung des christlich-jüdischen Abendlandes“ auf die Straße gehen.

    Okay: So wie ich das Abendland in Erinnerung habe, hat das Judentum zwar seine Spuren im Abendland hinterlassen, nirgendwo anders wurden sie aber über die Jahrtausende immer wieder so gnadenlos verfolgt und benachteiligt wie im angeblichen „Abendland“. Aber lassen wir ihnen diesen „kleinen“ Definitionsfehler einmal durchgehen.

    Die AfD (Alternative für Deutschland) stellte sich vorhersehbarerweise an die Seite der PEGIDA-Demonstraten,  scheinen hier doch vergleichsweise einfach viele Wählerstimmen abzuholen zu sein. Der Populismus der AfD ist leicht zu enttarnen. Erkennbar an den Merkmalen einer populistischen Partei erstens eine ausdrucksstarke Führungsperson in Bernd Lucke, zweitens eine Beschränkung der Kernthemen auf innere Sicherheit, Einwanderung und Ausländer (Muss ich hier ein Beispiel nennen?), gegen die etablierten Parteien („Mut zur Wahrheit. Die Altparteien vernichten unser Geld. Mal konservativ, mal sozial, mal liberal. Aber immer nachhaltig“) und den Schutz des Wohlfahrtsstaates für deutsche Staatsbürger („Wir sind nicht das Weltsozialamt“) und drittens die Sogwirkung auf Gruppierungen und subkulturelle Milieus im rechtsextremen Lager. Sie ist nicht davor sicher, von solchen unterwandert zu werden, die durch die Partei aus dem Nazi-Etikett ins Rampenlicht treten wollen

    Für mich sind die wiederkehrenden Wellen des Rechtspopulismus ein Hinweis darauf, dass man populistische Parteien, wie Schill oder auch die Republikaner nicht als One-Hit-Wonder abtuen darf, deswegen zeigt auch die AfD, dass offensichtlich hinter diesem Populismus gegen den Euro und all den Themen der AfD eine tiefwurzelnde Angst vor der Veränderung und Fremdem steht.

    So fahren die Pegida-Demonstranten im Windschatten der AfD und die gesamte deutsche Politik steht vor der Frage: Reden oder nicht reden? Genau zu diesem Punkt möchte ich euch zurück in die Realität führen und meine Anekdote erzählen:

    Eine politisch interessierte Bürgerin wusch während ihrer Arbeit als Krankenschwester einen kranken Mann in seinem Bett. Dabei fiel ihr Blick auf einen Zeitungsartikel, in dem groß über PEGIDA berichtet wurde. Die Krankenschwester murmelte vor sich hin: „Hm, diese PEGIDA-Leute.“ Daraufhin entbrannte der Patient in vollkommener Leidenschaft und erzählte, dass die ganzen Behauptungen doch wahr seien. Ausländer sollten in ihren Heimatstaaten bleiben, schließlich würden auch dort Fachkräfte benötigt. Niemand müsse hier nach Deutschland kommen, bald würden alle Frauen Kopftuch tragen müssen und der Islam sei sowieso eine furchtbare Religion, die in Deutschland nicht zu suchen habe.

    Die Krankenschwester war immer noch mit Waschen beschäftigt, denn alleine musste sie den Mann waschen, jedes Körperteil anheben und ihn alleine drehen und heben und fragte, wieso ihn der Islam denn störe. Zur Antwort kam nur, dass man diesen hier nicht haben wolle und die Ausländer sowieso nicht. Die Krankenschwester wusch weiter und bat ihn ihr Namensschild zu lesen: Schwester Iva Zigric. Meine Mutter, waschechte Ausländerin.

    Jetzt, meine lieben Leser, passiert das gleiche, was mir auch immer passiert: Menschen, die gerade noch tönten und hetzten gegen eben diese Ausländer, bekommen sehr große Augen, bewegen sich nervös und versuchen, ihre Aussagen zu relativieren. Es sei ja nicht so gemeint, es wäre ja nicht gegen mich, sondern gegen andere Ausländer, ich sei ja ganz anders. Das Heimatland des jeweiligen hat ja so viel zu bieten. In meinem Fall kommt dann immer Dubroffnick, Schplitt und diese eine Insel, die man nicht aussprechen kann (Krk), tolle Strände, nette Leute, sehr gastfreundlich, tolles Essen, Cevapcici (nom, nom, nom)und Sljivovic (ojjojojoj).

    Bin ich jetzt premium oder was?

    Nie verstehe ich, wieso so ein Hass auf den Islam projiziert wird. In Bosnien und Herzegovina, dort ist meine Mutter aufgewachsen, leben der Islam und das Christentum seit jeher friedlich nebeneinander und keine der beiden Seiten grenzt sich ab. Auch bei der jüngeren Generation sehe ich das. Meine Cousins und Cousinen wünschen allen Freunden einen frohen Bajram auf Facebook, sie haben sowohl an christlichen, als auch muslimischen Feiertagen frei, friedliche Koexistenz ist also möglich.

    Wieso maßen sich jetzt die PEGIDA-Unterstützer an, den Moslems und andern Ausländern, ausgenommen hiervon Premium-Ausländer, eine grundsätzliche Weigerung zur Integration zu unterstellen? Ich wünsche mir, dass mit PEGIDA gesprochen wird, denn es sind Menschen und unsere einzige Waffe ist die Kommunikation, um ihnen die Angst vor Neuem und Fremden zu nehmen. Wieso sollten Fachkräfte dort bleiben, um das Zitat des Patienten wieder aufzugreifen. Viele deutsche Firmen entsandten kurz vor den Jugoslawienkriegen Headhunter u.a in die Nähe von Krankenschwesterschulen des Landes, um junge Absolventen abzuwerben, damit sie jetzt von PEGIDA-Anhägern hören, sie hätten auch zu Hause bleiben können.

    Zum Abschluss bitte ich euch also, nicht zwischen Premium-Ausländern und dem gemeingefährlichem Moslem zu unterscheiden, sondern sich gegen Pauschalisierung zur Wehr zu setzen und Populisten keine Chance zu geben. Es ist das Sammelbecken für Denkzettelwähler und Rechtsgesinnten, die ein bisschen Mitte der Gesellschaft schnuppern wollen. Das darf aber nicht heißen, dass die Mitte der Gesellschaft nach rechts zieht. Lasst uns das Problem im Herzen der Menschen anpacken und die Angst nehmen.