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    Vom Weltmeister der Bildungsreformen

    Es ist soweit: 1954, 1974, 1990 und jetzt 2014 ist Deutschland wieder Fußballweltmeister!

    Kein Wunder, dass in den vergangenen Wochen die Welt ganz besonders auf unsere inländischen Geschehnisse schaut. Auch wirtschaftlich profitiert unser Land davon, denn wo der Jubel groß ist fühlt der Kaufrausch sich heimisch. Doch weg vom Fußball, denn nicht nur dort nennt man uns Weltmeister: Meckerweltmeister, Sanktionenweltmeister, doch kaum ein Titel hängt uns so sehr nach, wie der des Reformweltmeisters. Das klingt zunächst nicht schlecht, doch schauen wir uns mal die Entwicklung des Bildungssystems an. Seit Jahren brennt der Streit um G 8/9 fast schon stellvertretend für jegliche Bildungsreform, da man dort über die Jahre als Eltern vollkommen den Faden verloren haben muss.

    Schaffen wir uns doch einmal einen kurzen Überblick:

    1936 wurde die Schulzeit auf zwölf Jahre verkürzt, um, den geschichtlichen Gegebenheiten entsprechend, das Militär zu verstärken.

    1949 beschloss die gegründete BRD das Abitur nach dreizehn Jahren wieder einzuführen.

    Spätestens 2003 schlossen sich neue und alte Bundesländer der erneuten G8-Reform an.

    Hintergrund der Reform war der internationale Wettbewerb. Schaut man einmal aus Deutschland heraus wird man bemerken, dass die Hochschulreife nach zwölf Jahren fast schon europäischer Konsens ist. Frei nach dem Motto: Was die können, schafft Deutschland doch allemal! War man optimistisch gegenüber der Reform. Nur war dies nicht lediglich eine durchdachte Reform. Immer wieder wurde in der laufenden Umstellung gefeilt, neue Regelungen eingeführt und die Elternschaft verwirrt. Wer kann es ihnen verübeln, dass nach den ersten Abschlussjahrgängen das Verlangen nach G9 wieder groß war. Immerhin wusste man an dem System wo man ist. Nun dürfen wir nicht schwarzmalen, schließlich haben wir ja richtig erkannt, dass es in unseren Nachbarländern ja auch wunderbar funktioniert.

    Wo ist also unser Problem?

    Vollziehen wir einmal den einfachen Schritt, uns auch wirklich anzuschauen wie die anderen es machen, wird es schnell klar. Bereits seit dem Kindergarten lernen die Kinder dort spielerisch lesen, schreiben und auch rechnen. Betrachtet man die Auffassungsgabe eines 3-5 jährigen wird man merken, dass dies auch kein Problem darstellt. Diese Kinder gehen mit ganz anderen Voraussetzungen als wir in die Grund- und weiterführenden Schulen.

    Ist es wirklich so einfach?

    Nein. Frühkindliche Bildung spielt zwar einen zentralen Punkt für ein funktionierendes G8, jedoch wird weitläufig hauptsächlich die individuelle Entwicklung der Kinder kritisiert. Überfüllte Lehrpläne, Repression der individuellen Fähigkeiten für ein standardisiertes Mittelmaß, Unterfinanzierung, sowie zunehmende Abgabe der elterlichen Verantwortungen an den Bildungsauftrag der Lehrer. Alle diese Vorwürfe stehen im Raum und suchen nach Lösung. Wir wollen die Kinder zu mündigen Bürgern erziehen. Wir wollen, dass sie die Welt verstehen und sich in ihr frei entfalten und sie somit bereichern können. Natürlich ist das System noch nicht perfekt und es wird noch Reformen geben und brauchen, aber wir brauchen keine andauernden Reformen für Reformen, die nicht nicht laufen wie wir wollen.

    Jana Weber-Perez

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    Von Mieten, Löhnen und Ölflecken…oder warum gut gemeint nicht immer gut gemacht ist!

    Vor wenigen Wochen verabschiedete die hessische Landesregierung die Umsetzung der Mietpreisbremse in 20 hessischen Städten und auch ist es noch nicht lange her, da jubelte die neue Bundesregierung über die Einführung des gesetzlich verbindlichen Mindestlohnes von 8,50€! Dies möchte ich zum Anlass nehmen, über ein Phänomen, insbesondere im Bereich der Sozialpolitik, zu schreiben, „die gutgemeinte Politik“. In Frankfurt finden Studenten keine bezahlbare Wohnung und die Friseurin in Kassel kann von ihrer Arbeit Lohn nicht die Familie ernähren. Dieser Zustand ist natürlich nicht wünschenswert und Politiker nehmen sich des Problems an. Leider werden jedoch stets die offensichtlichen Methoden gewählt, um Abhilfe zu schaffen. Sind Mieten für den Studenten zu hoch, werden die Mietpreise eingefroren. Kann der Arbeitnehmer nicht von seinem Lohn leben, wird der Lohn angehoben. Doch lassen sich so einfach die Probleme lösen?

    Wenn man sich das Problem der „Wohnungsnot“ anschaut, wird man feststellen, dass der Grund der hohen Mieten in der Knappheit des Wohnraums liegt. Die Lösung des Problems müsste demnach darin bestehen, mehr Wohnungen zu schaffen. Durch die Mietpreisbremse haben Investoren jedoch gerade einen viel geringeren Anreiz, Grundstücke zu kaufen und zu entwickeln. Folge daraus ist, dass der Wohnraum knapp bleibt, die Studenten somit nach wie vor keine Wohnung finden, und der Immobilienmarkt hat keine Chance, Angebot und Nachfrage zum Ausgleich zu bringen.  Die Mieten bleiben dauerhaft hoch und keinem ist geholfen – anstatt das Problem zu lösen, hat man es verschlimmert.  Doch auch diese Verschlimmerung schreit förmlich danach, von beseelten Politikern (in bester Absicht) gelöst zu werden. In München zum Beispiel erlebt der soziale Wohnungsbau ein Revival – mit all den bekannten negativen Folgen, wie explodierende Baukosten, Ghettoisierung und eine endgültige Auflösung des Immobilienmarktes.

    Das gleiche Spiel beim Mindestlohn. Frau Nahles gebe ich Recht, wenn sie sagt, dass die Menschen genug zum Leben haben müssen. Der Mindestlohn scheint mir jedoch die falsche Methode.  Ist er zu niedrig gewählt, braucht es ihn nicht. Liegt er jedoch über dem Preis, der sich aus Angebot und Nachfrage bildet, so ist ungewollte Arbeitslosigkeit die Folge. Besonders treffen wird dies jedoch nicht gut ausgebildete Fachkräfte, sondern vielmehr Geringqualifizierte, die es sowieso schon schwer auf dem Arbeitsmarkt haben.  Die zukünftige Höhe des Mindestlohns soll laut Koalitionsvertrag von einer Kommission festgelegt werden, welche sich aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern zusammensetzt. Doch woher soll diese aus sieben Köpfen bestehende Kommission wissen, was ein angemessener Mindestlohn ist?

    Für Friedrich August von Hayek ist Wissen, z.B. über die maximale Höhe eines Lohns, kein abstrakter Wert, der sich errechnen lässt. Wissen ist vielmehr dezentral und stets an die Menschen vor Ort gebunden. In unserem Beispiel heißt das, dass nur Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor Ort wissen können, wie hoch der Lohn ohne negative Folgen sein kann.  Doch woher soll die Mindestlohnkommission diese Informationen von vor Ort haben?  Unmöglich kann ihnen bekannt sein, wie die Menschen individuell entscheiden würden. Der einzige Mechanismus, der uns Informationen über die Lohnhöhe vermittelt, ist der Preismechanismus. Eben jener Mechanismus, der durch staatlich festgelegte Löhne eliminiert wurde. Wenn ein Politiker großspurig verkündet, wie hoch ein gerechter Lohn zu sein hat, maßt er sich einWissen an, welches er nicht haben kann.  Ist ein nicht dem Marktpreis entsprechender Lohn in bester Absicht festgelegt worden, fängt die Spirale staatlicher Interventionen an, sich zu drehen.  Wegfallende Arbeitsplätze werden „zum Wohle des kleinen Mannes“ künstlich am Leben gehalten, Staatsprogramme werden aufgelegt, um ganze Industriezweige zu stützen. Mit allen bekannten negativen Konsequenzen. Und hierbei sind nicht einmal die Folgen aufgezeigt, die das Festlegen des Lohnes etwa auf den Geldwert oder den Außenhandel hat.

    Es zeigt sich schon anhand dieser beiden aktuellen Beispiele, wie staatliche Ersteingriffe die Folge haben, dass sie weitere staatliche Eingriffe nach sich ziehen und somit eine Interventionsspirale auslösen. Oftmals wird hierbei der Vergleich zu Ölflecken gezogen. Ähnlich wie ein Ölfleck im Wasser, der sich immer weiter ausbreitet, lösen staatliche Interventionen eine Spirale an Folgeeingriffen aus. Diese „Ölfleck-Theorie“ wird dem österreichischen Ökonomen Ludwig von Mises zugeschrieben (obwohl er nie das Wort Ölfleck verwendet hatte). Dieser erkannte hierin den Grund, warum der (Sozial-)Staat die Tendenz besitzt, sich immer weiter auszudehnen.  Staatseingriffe haben unter gewissen Umständen ihre Berechtigung, etwa bei der Bereitstellung öffentlicher Güter oder bei natürlichen Monopolen. Jedoch muss darauf geachtet werden, dass nicht die wirtschaftliche Freiheit, als zentrale Bedingung des Wohlstandes, verloren geht. Auch legen diese Beispiele nahe, dass die gutgemeinte Politik der staatlichen Interventionen unbeabsichtigte Folgen hat – negative Konsequenzen, die ihre Initiatoren sicher nicht beabsichtigten aber die zu lösenden Probleme nur noch mehr verschlimmern.  Auch in der Ordnungspolitik scheint sich zu bewahrheiten: Gut gemeint, ist nicht immer gut gemacht!

     Lucas Schwalbach